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Winterquartier in Spanien

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Winterquartier in Spanien

Hier der lang ersehnte Artikel für all jene von Euch, die sich den Kopf zerbrechen, was das kleine grüne Caravan-Piktogram auf der Map vom Reiseverlauf auf unserer Startseite bedeuten soll.
Während ihr euch in der Januarkälte einen abfriert, morgens Scheiben kratzen und vielleicht sogar Schnee räumen müsst, schmilzt uns hier die Schokolade vom Lebkuchen runter. Fies, ne?
Aber im Ernst jetzt. Derzeit machen wir zwei Beiden ein sogenanntes "workaway" im sonnigen Spanien.

Was ist das und was soll das?!? Ganz einfach: Bei einem workaway tauscht man seine Arbeitskraft (normalerweise fünf mal die Woche für viereinhalb bis fünf Stunden) gegen kostenlose Unterkunft und was zu futtern. Wenn es gut läuft, kann man sogar noch was lernen (andere Kulturen / Lebensweisen, handwerkliche Skills, Sprache, etc.). Kann man weltweit machen und es gibt die unterschiedlichsten Anbieter für alle möglichen Interessenlagen.
Man registriert sich auf der workaway website, veröffentlicht dort ein kurzes Profil von sich und schreibt dort hinein was man so kann oder eben auch nicht. Dann sucht man sich ein Land /Region und irgendwelche Suchbegrife raus, die einen interessieren und bekommt dann Anbieter (Hosts) angezeigt, die auf die Wünsche passen. Haben wir für Spanien gemacht und sind bei Annette und Christian gelandet.
 
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Unser Off-Grid Wohncontainer für etwa sechs Wochen

 
 

Off-Grid Finca El Drago

Annette und Christian haben eine Finca (span. für Farm) in Katalonien, in Sichtweite des Flusses Ebro. Etwa drei Hektar groß mit Olivenbäumen, Feigenbäumen, Orangen, Gemüsegarten etc. Das Besondere an der Farm ist, dass sie eine so genannte Off-Grid Finca ist. Das heißt, sie ist nicht an das öffentliche Strom- und Wassernetz angeschlossen. Quasi autark.
Wie geht sowas? In Spanien relativ unkompliziert. Ausreichend Solarpaneele in die Pampa geklatscht, Plumpsklo daneben gezimmert und Wasser aus dem Brunnen gepumpt. Geheizt und gekocht wird mit Holz. Fertig ist die Off-Grid Finca! Also ganz vereinfacht dargestellt. Aber so in etwa machen das hier ne ganze Menge Leute. Es gibt viele Aussteiger aus Deutschland, England, Niederlande, Schweiz etc., die hier regelrechte "Kolonien" aufgezogen haben. Man kennt und hilft sich untereinander.

Christian und Annette können in Bezug auf autarkes Leben auf viel Erfahrung zurückgreifen. Sie machten ihre ersten Erfahrungen im Bauwagen schon in den 80er Jahren in Deutschland. Mit der Zeit ist das aber aufgrund der Bürokratie und Gesetzen immer schwerer in Deutschland durch zuziehen. Deshalb nun also Spanien, zumal die Sonne hier ganzjährig über scheint (geil für Solarpaneele) und der eigene Gemüsegarten in diesem Klima eigentlich auch das ganze Jahr irgendetwas zu knabbern abwirft. Ideale Bedingungen also.
 
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Wohncontainer von innen

 
 
Arbeiten als Workawayer
Bei 'nem workaway könnt ihr entweder Sachen machen, die ihr sowieso schon könnt, oder ihr schafft euch ein paar neue Skills drauf. Also direkt von Profis lernen, wie was geht. Uns war es wichtig handwerklich was zu lernen und Wissen über das Anlegen eines eigenen Gemüsegartens zu erlernen. War hier beides problemlos möglich.
Hier eine Auflistung von Sachen, die wir bisher während unseres workaways so gemacht haben.
Im Gemüsegarten: Beete angelegt, gedüngt, bepflanzt, bewässert, Unkraut gehackt und gejätet.
Im Olivenhain: Olivenbäume beschnitten, alte Eselwege freigelegt, Aufgang gebaut, Tor in Zaun gesetzt.
Allgemein: Beton und Mörtel gemischt, Fundament ausgehoben Moniereisen angelegt und ausgegossen, Fliesen verfugt, kleine Betontreppe gegossen.
 
 

Der spanische Hobbit - Unterschlupf

Womit wir die meiste Zeit verbracht haben, könnt ihr in der nachfolgenden Gallery anschauen. Unser Host Christian hatte den Wunsch eine Art Shelter oder Wetterschutz für sein Afrika- Expeditionszelt im Olivenhain aufzubauen. Mit dieser Aufgabe haben wir etwa zwei Wochen verbracht. Zur Verfügung standen uns dabei Holzreste von alten Baustellen auf der Finca, sowie Holz von einem Betrieb der Paletten herstellt.
Also Fundamente ausgehoben, armiert, mit Beton ausgegossen. Anschließend Betonträger drauf gesetzt und eine schöne, breite Holzplattform drüber gelegt. Der eigentliche Aufbau oder Shelter sollte ein typisches spanisches Pultdach bekommen und nach mindestens zwei Seiten wettergeschützt sein. Wichtig war, dass der benachbarte Baum seine dicken seitlichen Äste behalten durfte, also mussten entsprechende Aussparungen ins Dach.
Christian, unser Meisterlogistiker, hat uns mit wirklich allem benötigtem Werkzeug und Material versorgt. Schraubengröße XY fehlt? Kein Problem Christian hat Sie uns spätestens am nächsten Tag besorgt. Mehr Holz? Kein Problem, Christian ist schon unterwegs. Außerdem hat er uns zahlreiche nützliche Tipps und auch die eine oder andere helfende Hand gestellt, sodass wir gut voran kamen.
Beim Metalldach hat uns Kai, ein anderer Workawayer und gelernter Metallbauer, geholfen. Keiner flext wie Kai!

Die gesamte Konstruktion war recht schnell fertig. Am meisten Zeit hat das Zuschneiden der Blenden gedauert. Wäre für Christian nicht unbedingt nötig gewesen, aber unsere eigenen Ideen und Vorstellungen konnten wir hier auch ausleben. Das heißt: Aus der benachbarten Felshöhle durften wir einen Naturkühlschrank bauen und den gesamten Shelter-Aufbau konnten wir nach unseren Wünschen mit "organischen" Blenden veredeln (Gruß an Dominik B. Wir mussten viel an die Arbeit mit dir im HoT denken und haben aus diesen Erfahrungen total profitiert). Letztendlich haben wir allen Blenden eine geschwungene, natürliche Form gegeben. Eigentlich bescheuert. Im Sägewerk wurden alle Bretter und Balken gerade gehobelt und wir schneiden sie uns wieder krumm und rund.
Christian war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und hat den kleinen Platz mit der Bezeichnung "Hobbit-Camping" geadelt.
 
 

Das Ebrotal

Jetzt wisst ihr ziemlich genau, wie und wo wir Weihnachten und Neujahr verbracht haben und was wir noch bis Ende Januar machen werden. An den arbeitsfreien Wochenenden schwingen wir uns auf die unbepackten Räder und erkunden die umliegende Landschaft. Wie das hier so aussieht, könnt ihr in der nachstehenden Gallery sehen.