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Langsamkeit in Polen entdecken

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Unser Radalltag in Polen

Wir schildern euch hier mal die typischen Eindrücke eines Radfahrtags in Polen. Also: Die Polen scheinen meist Frühaufsteher zu sein. Bereits vor 7 Uhr hört man auf manchen Campingplätzen die ersten Rasenmäher, bzw. Rasentrimmer (welche hier einem Rasenmäher bevorzugt werden, selbst bei echt großen Flächen), außerdem Straßenbaumaschinen und andere Arbeitsgeräusche.
Wir sind nach unserer morgendlichen Pack- und Frühstücksprozedur meistens erst so um 10 oder 11 Uhr auf der Strasse und nehmen langsam Fahrt für unsere neue Route auf.
 
Rapsfelder

Rapsblüte entlang unserer Wege

 
 
Wenn wir Glück haben, ist es eine Strecke mit vielen traumhaften und schattenspenden Alleen, mit mäßigem Verkehr. Störche liegen brütend in ihren hohen Nestern und schauen von oben auf uns herunter, die Frösche quaken in den zahlreichen Gewässern um die Wette und Kraniche trompeten in der Gegend rum. Wirklich cool.
 

Storch auf Straßenlaterne

Baugerüst an einer Kirche

 
Wenn wir Pech haben, müssen wir auf ne Bundesstraße, mit viel Verkehr und dann sehen wir eigentlich nur die Strasse und ab und an in den Rückspiegel, weil man hochkonzentriert sein muss und jederzeit ein riesiges Schlagloch oder krasse Pflastersteine oder ein Sandhaufen kommen kann. Man hört im Grunde nur noch die LKWs und Autos und nimmt keine Tiergeräusche mehr wahr.
Die Bundesstraßen mit drei Ziffern sind meistens ruhiger, die mit zwei Ziffern schon stark befahren.
 
Alter Bus

Nur noch selten: Museumsreifer Bus

 
Wenn man sich dann mal ne Pause gönnt und in einem kleinen Dörflein einen der besagten Skleps aufsucht, kommt man schnell mit der polnischen Bevölkerung in Kontakt. Aufgrund der Tatsache, dass wir zu den normalen Arbeitszeiten unterwegs sind, treffen wir eher ältere Menschen an. Da wird dann schon mal zusammen ne Packung Kekse gefuttert und geklönt was das Zeugs hält, ohne dass auch nur einer irgend etwas verstanden hat. Egal. Man lacht und verständigt sich mit Händen und Füßen.

Einmal wurden wir zum Abschied umarmt und von zwei Omas winkend verabschiedet.
Ein anderes mal kam es bei einer unserer "Skleppausen" sogar vor, dass ein alter Mann ans Fahrrad kam, irgendetwas auf polnisch sagte, niederkniete, auf die Koblenzfahne zeigte und spontan einen Handkuss gab. Er war wohl sehr angetan von unserer Reise…
 
Sklep

Skleps wie diesen gibt es in fast jeder Ortschaft

 
Oftmals, wenn wir so durch die Strassen rappeln, ruft uns jemand „Gute Reise“ hinterher oder LKW- Fahrer grüssen. Das ist total schön.
Was uns leider etwas abfuckt, ist die Tatsache, dass die Hunde hier in Polen teilweise frei rumlaufen. Ist uns schon ein paar mal passiert, dass uns aus dem Hinterhalt einer Hofeinfahrt ein kläffender Köter hinterher gerannt ist. Besonders blöd, wenn man dabei noch auf den Verkehr und die Schlaglöcher achten muss.
 
Bergauf

Auf einer der vielen Sandpisten in Polen

Piste

Unterwegs auf einer Schotterpiste

 
Wenn wir dann am Abend einen Campingplatz suchen, verwöhnt uns Polen mit einer großen Auswahl, mit teils wirklich wunderschön an Seen gelegenen Plätzen oder mit kleinen liebevoll umgebauten Bauernhöfen, mit Zelt- und Stellplätzen. Da wird auch immer auf Sitzgelegenheiten für die Zelter geachtet. Das ist der pure Luxus.
 
Strassenueberquerung

Bloß nicht hetzen: Maikäfer spaziert über die Straße

 
 
 
 

Camping ohne Stress: Pole namiotowe - bez stres

Es gab nur einen einzigen Abend, an dem wir einfach kein Glück zu haben schienen. Um fünf Uhr guckten wir, wie immer, nach umliegenden Plätzen, die wir noch erreichen können. Es war nur ein "Urlaub auf dem Bauernhof" Ding dabei, die Zimmer vermieten. Leider noch 20 km entfernt. Alles klar, nehmen wir. Navi angeworfen und los.
 
Schild

Ääh... moment mal?!

 
Es dauert nicht lange und aus unserer vorher asphaltierten Strecke wurde mal wieder eine staubige Sandpiste. Wir schlingern und schieben weiter, die Zeit vergeht und wir machen zu wenig Strecke. Ausgerechnet jetzt.
Ah, endlich nochmal Asphalt. Wir fahren frohgemut weiter, die Strecke zieht sich, es wird immer später. Wir kommen an einem Schild vorbei, dass irgendein Sanktuarium beziehungsweise Kloster ankündigt, offensichtlich ein Wallfahrtsort.
Wir biegen von unserer eigentlichen Route ab und hoffen ganz naiv auf ein Kämmerchen im Kloster oder einen Platz zum Zelten. Dort angekommen braucht es wirklich lange, um einen der Patres zu finden. Leider kann und/ oder will er uns nicht verstehen. Die alte Mümmelmumie zeigt sich leider extrem unkooperativ. Schade.

Wir radeln weiter und weiter und kommen an einem wirklich edlen Hotel vorbei. Rieseneinfahrt, mit Park und Springbrunnen und allem was dazu gehört. Wir hoppeln über das Pflaster, froh nun endlich eine Bleibe gefunden zu haben und sehen dann das eigentliche Hotelgebäude. Alter Falter: Luxushotel sein Vadda! Schnell war klar, da passen wir mit unserem Radgeraffel nicht ins Ambiente und nach kurzem Infogespräch an der Rezeption war klar, es sprengt unser Tagesbudget deutlich.
 
Hotel

Eines von mehreren noblen 4 Sterne Hotels

 
Also, wieder auf den Sattel und irgendwie versuchen dieses Bauernhofding was wir ursprünglich rausgesucht haben, doch noch zu erreichen.
Der Frust stieg, als der Weg wieder sandig und beschwerlich wurde. Hungrig, müde, abgekämpft und total frustriert setzen wir unseren Kackweg fort. Irgendwann im absoluten Nirgendwo entdecken wir ein Holzschild, wo schön mit m Brennpeter ein Zelt eingebrannt und irgendetwas drauf gekritzelt war.
 
Pole nawiotowe bez stres

Unscheinbares Holzschild an einem Feldweg

 
Wir stehen da und gucken auf dieses Schild, da kommt jemand auf und zu und winkt uns zu sich aufs Grundstück hinter dem Schild. Alles wirkt wie ein rein privates Grundstück, wir sind noch etwas unsicher. Aber dann erklärt er mit englischen Brocken und Gesten, dass wir wirklich bleiben können und seine private Toilette und Dusche benutzen dürfen. Er hat wohl vor einen Campingplatz zu eröffnen und zeigt uns die Baustelle, wo die sanitären Anlagen entstehen. Wir sind total happy und erleichtert endlich eine Bleibe gefunden zu haben.
 
Camping ohne stress totale

Campen ohne Stress

 
So, nun müssen wir noch die Einzelheiten klären. Unser polnischer Gastgeber redet konsequent auf polnisch mit uns, wahrscheinlich in festen Glauben, dass wir ihn sicherlich irgendwann verstehen, wenn er weiter polnisch redet. Wir verstehen natürlich kein Wort.
Irgendwann ruft er verzweifelt seine Frau, die etwas Englisch kann. Irgendwie scheint es das Wichtigste zu sein, abzuklären wann wir duschen. Wir vereinbaren 21.30 Uhr, bauen erst einmal das Zelt auf und essen endlich etwas.
Während wir essen, sehen wir unseren neuen Gastgeber rumwerkeln und Holz hacken. Wir sitzen also entspannt rum, verdauen und merken dann, dass unser Gastgeber unruhig wird und ihm etwas nicht passt. Irgendwann kommt er zu uns und sagt „Shower Now“!
Wir packen schnell unsere Duschsachen und folgen ihm hektisch in sein Haus. Dann kapieren wir, dass er extra Feuer machen musste, um heißes Wasser für die Dusche zu haben. Daher war die Duschzeit auch so enorm wichtig für ihn. Wir genießen die heiße Dusche und finden es schon etwas rührend, dass wir dort das private Bad der Familie mitnutzen durften (die Frau hat offensichtlich gerade nochmal geputzt).
Und schon wieder zeigte sich für uns: Man würde sich in Polen vor lauter Gastfreundschaft auch ein Bein abreißen.
 
Sonnenuntergang

Frisch geduscht und ab ins Zelt

 
 
 
Wo wir uns zuletzt aufgehalten haben