parallax background

Finnland, wir müssen reden!

L A T S C H O ist jetzt online! UPDATED VERSION
03/07/2018
Irgendwas mit Nordkap
01/08/2018
 

Finnland, wir müssen reden!

Finnland, was haben wir gelacht (Schilder) und gelitten (Wind oder Mücken). Zum Glück mehr gelacht. Finnland hat, auf der Karte betrachtet, den Umriss einer Frau mit Kleid, die ihren rechten Arm in die Luft streckt. Deswegen heißt es auch liebevoll "Maiden of Finland" bei den Finnen. Den anderen Arm hat sie im zweiten Weltkrieg verloren. Echt jetzt.
Jedenfalls sind wir von der Zehenspitze bis zum Arm über die nette kriegsversehrte Dame gebügelt. Wir Glückspilze haben den wärmsten finnischen Frühling seit der Wetteraufzeichnung erwischt. Stabiles Sonnenwetter.
 
DSC00706

Einer von tausenden Seen im Südwesten Finnlands

 
 
So schön und offen dieses Land auch ist, umso schwieriger war es aber auch für uns mit den Leuten in Kontakt zu kommen (im Vergleich mit den bisherigen Ländern). Die wenigen Finnen, die wir kennen lernen durften, waren dafür umso hilfsbereiter und freundlicher und konnten fast ausnahmslos alle richtig gut Englisch.
Dennoch kamen wir insgesamt seltener ins Gespräch. Aber jeder Jeck is anners... wisst ihr ja selbst.
Lag jetzt auch ausnahmsweise nicht an uns (wir haben öfters sogar gut gerochen und/oder waren auch sauber), sondern wurde uns auch von anderen Radreisenden bestätigt.
Trotzdem haben wir ein paar nette Leute kennen lernen dürfen, die auch jetzt noch per Mail Kontakt mit uns halten. Sehr cool!

Zurück zum Wetter, beziehungsweise der Sonne, dem Thema Nummer eins von allen Reisenden. Bereits seit Lettland wird es nachts nicht mehr richtig dunkel. Und tatsächlich sind die Nächte peu a peu immer heller geworden. Taghell, kann man sagen. Es ist möglich rund um die Uhr im Zelt zu lesen, ohne Zeltlampe. Haben aber nur zwei Bücher dabei (nochmals Danke Andrea).
Das ist echt krass ungewohnt, also das mit der Helligeit und man ist auch nachts noch leicht aufgekratzt. Aber leider nicht nur man selbst. Auch die Vögel, insbesondere die bescheuerten Möwen, drehen in der Nacht noch einmal richtig dull und geben keine Ruhe. Gutes Zureden hilft ebenso wenig wie Androhung von leichter Gewalt.
 
DSC04746

Mitternachtssonne am Lake Inari

 
Finnland ist der feuchte Traum schlechthin für jeden Naturliebhaber, für Leute die gerne durch den Wald schlurfen und vor allem aber für Angler. An unserem zweiten Tag sahen wir sogar einen nackten Finnen mit ner kleinen Rute an nem See rumangeln. Hat uns auch ganz nett zugewunken. Kein Scheiß!
In unserem Radreiseführer steht in etwa: Finnland, das Land der 188.000 Seen, aber auch das Land der Sümpfe. Suomi (Sumpf) heißt das Land nämlich auf finnisch und wie wir hörten, ist es ein extrem schwach besiedeltes Land. Finnland ist fast so groß wie Deutschland, hat aber nur gut fünf Millionen Einwohner.
 
DSC04597

Holzsteg durch ein Sumpfgebiet

 
 

Jedermannsrecht

Finnland ist das erste Land unserer Reise, in dem das Jedermannsrecht wirklich gilt. Jeder darf unter gewissen Regeln in der Natur campen, Beeren sammeln, Fische angeln, Rasen mähen usw. Hauptsächlich geht's aber ums campen.
Eigentlich. Aber eine der gewissen Regeln macht an der Südwestküste Finnlands, sagen wir mal, ein wenig Arbeit. Eine Regel besagt nämlich, dass man nicht in Sichtweite eines Hauses campen sollte.
Verdammt, das ist gar nicht so einfach! Wir haben das Gefühl, dass alle fünf Millionen Flnnen im Süden ein Ferienhaus in Alleinlage haben und überall anzutreffen sind. Für ein einsames Zeltplätzchen muss man ein wenig Zeit zum Suchen investieren. Das hat sich im finnischen Norden aber schlagartig geändert.
DSC04133

Zelten an irgend so nem Fjord. Fjord Fiesta oder so... keine Ahnung.

 
 

Lappland - Land der Lappen

Land der Lappen? Moment mal die reden da von _ _ _-dorf (hier darf jeder seine unbeliebteste Nachbargemeinde einsetzen)? So denkt jetzt sicher der ein oder andere von euch. Aber nein, falsch gedacht!
Die Region Lappland mit ihren lappländischen (nicht läppischen) Einwohnern, genannt Lappen, liegt unter anderem im nördlichen Teil von Finnland und hat alles das zu bieten, was wir uns von Finnland so erhofft haben. Als da wären: Riesige Wälder und Flusslandschaften, scheinbar endlose Weite, Straßen bis zum Horizont, Rentiere, Heimat des Weihnachtsmannes, außerdem Ruhe und so weiter und so fort...
Kann man zum Teil mit Alaska oder Kanada vergleichen, was uns auch von einem Kanadier bestätigt wurde.
 
P1002140

Lake Inari nahe Inari

 
P1002153

Straßen bis zum Horizont

 
P1002166

Je weiter wir nach Norden kommen, desto karger wird die Landschaft

 

Bilder aus Nordfinnland

 

Bilder aus Südfinnland

 

Goldwaschen in Tankavaara

Geile Sache. In der alten Goldgräberstadt Tankavaara konnten wir uns im Goldwaschen üben. Jeder bekommt nen riesigen Goldklumpen, einen Waschlappen und Omas gute Kernseife und... QUATSCH! Konzentration!

Also: Jeder bekommt einen breiten, flachen schwarzen Teller, genug fließendes, saukaltes Wasser und eimerweise Sand aus dem Fluss um die Ecke und los geht das.
Der Spaß hat uns einen Zehner gekostet und was wir gefunden haben war wohl eher im Mikrogrammbereich.
Die eigentliche Goldmine ist also das Goldwaschprogramm für doofe Touries wie uns.
Das Ding ist aber: Es hat trotz Kälte irgendwie Spaß gemacht, vor allem, weil man echtes Gold gefunden hat. Schon irgendwie cool... und macht süchtig auf mehr.
DSC04689

Unsere Ausbeute nach einer Stunde Arbeit (stark vergrößert)

Am selben Tag fand auch noch irgend so eine offizielle Meisterschaft im Goldwaschen statt.
Das bedeutet, ein paar Zausel in Gummistiefeln schauen anderen Zauseln in Gummistiefeln beim Sand sieben zu. So in etwa.
Dazu stellt sich die eine Hälfte jeweils in einen Waschtrog mit braunem Matschwasser und kippt, sobald ein Signal ertönt, zunächst ein zuvor ausgehändigtes Eimerchen präparierten Sand in die Plörre hinein. Jetzt heißt es hurtig das leere Eimerchen geschickt hinter sich in die andere Hälfte der zuschauenden Zausel schleudern (was am meisten Unterhaltungswert hat) und den Sand auf dem mitgebrachten Tellerchen gerüttelt, bis die Hose kracht.
Das geht alles sehr zügig und innerhalb von etwa einer halben Minute oder so, stehen die ersten feuchten Goldwäscher mit leuchtenden Augen vor der gummibestiefelten Fachjury und präsentieren stolz ihre glitzernden Funde. Sieht ganz lustig aus, ist aber ne ernsthafte Sache, es gibt sogar Weltmeisterschaften.
DSC04667

Offizielle Meisterschaft im Goldwaschen