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Auf den Spuren unserer Ahnen

Winterquartier in Spanien
06/01/2019
 

Auf den Spuren unserer Ahnen

Es haben sich ja so einige coole Begegnungen und Mikro- Abenteuer in den letzten Monaten ergeben. Genug jedenfalls, um viele Nächte am Lagerfeuer darüber ausgiebig zu schwadronieren. Das nun folgende Abenteuer braucht aber etwas Unterstützung durch Fotos, also ist hier wohl ein guter Platz um es euch zu erzählen.
Wir rasieren mal wieder lecker den Seitenstreifen entlang der „Carretera de Tortosa“, einer Mainroad, die parallel zur Autobahn „Autopista de la Mediterrana“ verläuft. Das ist, kurz gesagt, die Strecke von Barcelona in Richtung Valencia, nahe der Küste. Egal, muss sich keiner merken. Dient nur der Einstimmung. Das Wetter ist mild und trocken, eigentlich super zum Radfahren.
Was uns auffällt, ist der viele Plastikmüll im Straßengraben und hin und wieder umweht uns der krasse Gestank der ansässigen großen Schweinezuchtbetriebe. Der Verkehr ist mäßig, denn es ist Mittagszeit – also Siesta, der Spanier döst.
Das weitläufige Tal, durch das wir gerade radeln, ist landestypisch terrassiert und es gibt unzählige Olivenbäume, bis an die Flanken der steilen Bergwände rechter und linker Hand. An den Berghängen können wir weitläufige Überhänge und Höhlen entdecken, wie sie hier in der Gegend immer wieder zu finden sind.
 
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Felswände mit Höhlen

 
 
Zu unserer Rechten sehen wir mit einem mal ein kleines Kloster, das sich hoch oben an den Berghang quetscht. Wäre ein klitzekleiner Umweg, aber die Aussicht müsste doch ganz gut von dort oben sein. Ideal also für unsere längst überfällige Mittagspause. Ab geht‘s!
Wir kämpfen uns den Weg hinauf, als uns ein Auto entgegenkommt, neben uns hält und der Fahrer uns fragt, ob wir ins Museum oder die Ermitage wollen. „Ööh… keine Ahnung. Wir wollten eigentlich nur da oben was futtern und dann mal schauen...“. „Okay, kein Problem.“ sagt er. „Das Museum öffnet jedenfalls erst um 16:00 Uhr wieder.“ fügt er noch hinzu, bevor er seinen Weg fortsetzt. Während wir weiter bergauf juckeln überlegen wir noch, ob der Mann im Auto vielleicht ein Mönch (in zivil) aus dem Kloster war, oder so…
 
 
 
Das Kloster Ermita de la Pietat
Wir müssen noch etwa 10 Minuten strampeln, bis wir schließlich auf den Klostervorhof mit Parkplatz gelangen. Und was soll man sagen? Der Umweg hat sich mal wieder gelohnt. Die Aussicht ist total geil, das Wetter ist zwar etwas diesig, erlaubt aber trotzdem gute Sicht und wir verspachteln erst mal gierig einen Teil unseres mitgeschleppten Proviants hier oben.
 
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Tolle Aussicht ins Tal

 
Nachdem die Lebensgeister durch unser Essen reanimiert wurden, erkunden wir die nähere Umgebung. Da wir ganz alleine hier oben sind (außer einer Katze), brauchen wir auch keine Sorge um die Räder haben (Katzen können ja noch kein Rad fahren). Wir lesen auf einem Schild an der Klosterpforte, dass man, vom Inneren des Klosters ausgehend, in einige Höhlen gelangen kann, in denen es sechstausend Jahre alte Höhlenmalereien gibt. Oha...!
Das ist insofern besonders aufregend für uns, da wir in Frankreich die Höhlenmalereien von Lascaux nicht mehr sehen konnten (stand nämlich auf unserer To-Do Liste). Der Winter stand ja vor der Tür und wir konnten uns diesen Umweg in Frankreich damals zähneknirschend nicht erlauben.
Drauf geschissen, denn jetzt bietet sich uns hier in Spanien ja ganz unverhofft ein Ersatz. Es handelt sich nämlich um das UNESCO Welterbe „Les pintures rupestres de la serra godall“. Wer Zeit und Langeweile hat, kann das mal googeln.
Jetzt sind wir ja schon hier oben, also warten wir auch gerne die anderthalb Stunden, bis das Kloster nebst Museum wieder aufmacht. Um 16:00 Uhr kommt der Wagen, der uns auf dem Weg zum Kloster entgegenkam, auf den Vorhof geknattert und es stellt sich heraus, dass der Fahrer der Museumsmitarbeiter ist (Mönche gibt‘s hier oben nämlich keine mehr, nur Katzen).
Wir sind die einzigen Besucher und können so länger ins Gespräch kommen. Schnell erfahren wir zu unserem Schrecken, dass ausgerechnet heute keine Führung zu den Höhlen statt findet. Der englischsprachige Führer ist auch leider erst morgen wieder da. Kacke… Umsonst gewartet?
 
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Das Kloster Ermita de la Pietat

 
Damit wäre die Story normalerweise hier zu Ende. Aber jetzt greift mal wieder der Radfahrerbonus, wie schon so oft. Der gute Mann ist nämlich so begeistert von der Tatsache, dass wir aus Deutschland nach Spanien mit dem Rad gefahren sind (das mit dem Nordkap haben wir noch nicht mal erzählt), dass er uns höchstselbst die Führung anbieten will, auch wenn sein Englisch etwas holprig wäre. Wir bekommen ohne unser Zutun zudem einen Rabatt von 50% und können unsere Räder mitsamt dem ganzen Geraffel ins Innere des Klosters stellen. Cool!
Nachdem wir uns in dem kleinen Steinzeitmuseum in aller Ruhe umgeschaut haben, schließt der Mitarbeiter das Museum einfach ab und wir erklimmen zu Dritt den schmalen Pfad, der sich hinter dem Kloster an der Felswand hochschlängelt. Jetzt also Privatführung.
Es gibt in dieser Region Spaniens knapp 400 erhaltene Felsmalereien, verteilt auf Dutzende Höhlen und Felsspalten, die zwischen sechs- und achttausend Jahre alt sind. Ein nicht geringer Teil davon direkt hier in dieser Felswand. Die Zugänge sind durch schwere Eisengitter oder hochklappbare Brücken gesichert (wegen Vandalismus).
 

Die Höhlenmalereien in der Serra Godall

Wir sind total geflasht! Aufgrund des trockenen Klimas haben sich selbst in den offenen Spalten noch Malereien erhalten. Sie zeigen mehrheitlich Jagdszenen mit Speeren und Bögen und eine zeigt sogar einen Jäger mit Kompositbogen. Ebenso ein Hund ist abgebildet, der die Jäger begleitet oder eine Art Schamane (mit Haarzopf) ist zu erkennen und viele verschiedene Tiere, die diese Region damals besiedelten. Die einzelnen Figuren sind nicht sehr groß (etwa finger- bis handgroß). Ohne zu wissen, wonach man schauen muss, würde man sie wahrscheinlich im Vorbeigehen leicht übersehen.
Ist doch Wahnsinn, wenn man sich überlegt, dass diese von Menschen gemachte Kunst hier so offen und so lange überdauert hat. Von uns wird wohl mehrheitlich schon in 100 bis 150 Jahren gar nichts mehr übrig sein.
 
 
 
Wir sehen uns insgesamt drei der Höhlen gemeinsam an, ehe es anfängt zu dämmern und wir unseren holprigen Rückweg antreten müssen. Auf unserem Weg zurück werden wir von einigen wilden Steinböcken neugierig beobachtet, die sich hier in den letzten Jahren wieder angesiedelt haben. Irgendwie seltsam, da wir soeben auch Steinböcke an den Felswänden bestaunt haben. Vielleicht die Ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-Enkel derselben?
Als wir wieder am Museum angekommen sind fragen wir Jorge (unseren Privatführer), ob wir unser Zelt vor dem Kloster aufschlagen können. Kein Problem, er zeigt uns sogar noch eine schöne ebene Stelle, wo wir auch eine gute Aussicht haben. Jetzt nur noch Zähne putzen, pullern und ab ins Bett.
 
 
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Übernachtung am Kloster

 
Am nächsten Morgen erwachen wir früh, das Wetter ist perfekt und nach einem ausgiebigen Radler-Frühstück, mit einer guten Tasse Kaffee in der warmen Morgensonne, beschließen wir die nahen Felswände auch mal auf eigene Faust zu erkunden. Wir hatten ja schon am Vortag einige weitere interessante Felsspalten in der Nähe beim Hochfahren gesehen. Gesagt, getan.
 
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Frühstück mit Blick aufs Kloster

 
 
 
Nach nur einer viertel Stunde Fußmarsch haben wir schon die erste breitere Felsspalte erreicht. Dort gibt es sogar eine klitzekleine Quelle und man kann sich gut vorstellen, wie die ollen Steinzeitjäger hier damals am Lagerfeuer rum saßen und ins weite Tal runtergeglotzt haben.
 
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Eine interessante Felsspalte

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Höhle mit Aussicht

 
Wir sitzen hier also auch so rum (nur ohne Feuer) und… Moment mal... Was ist das? An einem der vorderen Felsen dieser Höhle entdecken wir plötzlich im Sonnenlicht das hier:
 
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Jagdszene im Morgenlicht

 
Coole Sache. Da fühlt man sich schon irgendwie wie Indiana Jones (nur ohne Nazis). Klar ist das jetzt keine archäologische Sensation, wahrscheinlich haben das auch schon tausende Leute vor uns entdeckt. Trotzdem ist es für uns irgendwie was Besonderes, so etwas abseits der öffentlich zugänglichen Höhlen selber zu finden. Also in diesem Sinne: Augen auf, es gibt noch viel zu entdecken!
 
 

Wo wir uns zuletzt aufgehalten haben